Der Aletschgletscher und sein Umfeld

22. - 24. August
mit Laudo Albrecht

Bild: Armin Schatzmann
Bericht

DER ALETSCHGLETSCHER UND SEIN UMFELD

Event der Naturfotografen Schweiz vom 22. - 24. August 2014
mit Laudo Albrecht und Jeannette Meier-Schumacher 

  • Kurzfassung für Eilige: Erlebnis der absoluten Spitzenklasse auf allen Ebenen oder (noch kürzer) einfach TOLL!
    Grosses Merci an Jeannette und Laudo! Übrigens, es lohnt sich, weiter zu lesen…  

Ausführlichere Fassung: Bei der Talstation der Seilbahn Riederalp in Mörel traf sich am Freitagnachmittag ein kleiner, bunt zusammengewürfelter Haufen Menschen mit eigenartigem Gepäck: nach der komfortablen Bergfahrt trugen viele sogar vorne und hinten einen Rucksack und schleppten weitere seltsame Gepäckstücke und Geräte mit sich. Die Ureinwohner der Riederalp merkten allerdings bald, dass dieser auffällige Trupp „Grüezeni“, der sich da (gemäss Programm) gemütlich Richtung Riederfurka bewegte, doch ganz friedlich, ja sogar völlig harmlos war… 

Wer zum ersten Mal da war, erfuhr einen gewissen „Kulturschock“: statt der erwarteten Alphütten erblickt man hier nämlich ein grosses, fast schlossartiges Gebäude im Fachwerk-Stil aus der Zeit der Jahrhundertwende: die Villa Cas-sel, allein und weit ab von aller Zivilisation oben auf dem Berg gebaut! 

Dank dem Schweizer Bund für Naturschutz – heute Pro Natura – konnte dieses einmalige historische Gebäude aus der Frühzeit des Tourismus mit einer äusserst faszinierenden Geschichte vor dem Verfall gerettet werden. Es dient seit bald 40 Jahren als erstes alpines Zentrum den vielen wichtigen und inte-ressanten Aktivitäten der Pro Natura (www.pronatura-aletsch.ch). 

Der Leiter des Zentrums, Laudo Albrecht und seine Frau Isabella, wiesen uns nach der Begrüssung die Räumlichkeiten zu. Schon diese kleine Führung durch das Gebäude war ein spezielles Erlebnis: im ganzen Haus liegt der wunderbare Duft von Arvenholz in der Luft. In der grossen Churchill-Suite konnten gleich 3-4 von uns einziehen. Eine andere kleine Gruppe bewohnte einen Raum unter dem Dach. Einige wohnten im „Chalet“, einem schönen Ne-bengebäude, das Sir Cassel nachträglich extra für seine beiden Enkelinnen bauen liess. 

Nach einem wunderbaren Raclette-Schmaus mit Fendant konnten wohl die meisten wunderbar schlafen. Ein klarer Sternenhimmel und eine unglaubliche Stille (draussen) begleiteten unsere Träume – nur ganz entfernt hörte man bei offenem Fenster das leise Rauschen der vielen Gletscherbäche. 

Am nächsten Morgen ging es dann durch den märchenhaften Aletschwald in Richtung Aletschgletscher. Laudo (übrigens ein waschechtes Gründungsmitglied unseres Vereins!) führte uns in einer sehr spannenden Zeitreise multi-medial durch die vielen Epochen der Klimageschichte und der Entwicklung des Gletschers. Vor Ort konnten wir die verschiedenen Stadien und deren bio-logische und geologische Auswirkungen direkt beobachten. Auch dem „Zapfarääggi“ (Tannenhäher) begegneten wir, und Laudo erläuterte uns anschaulich die wichtige Funktion, die dieser hübsche Vogel für die Ausbreitung/Erhaltung des Arvenwaldes hat. Je mehr wir uns dem Gletscher näherten, desto karger wurde die Landschaft, bis in der Region „Katzlöcher“ auch die jüngsten Pionierpflanzen ausblieben. 

Ein absolutes Highlight war das Erlebnis einer grossen Gletscherhöhle. Im Bauch des Gletschers konnte man sich fast ein wenig wie Jonas im Bauch des Wals vorkommen. Unglaublich - nur noch blaues Licht in allen Abstufungen, Eis, Wasser und Rauschen rundum! Dem kleinen Bach in die Tiefe des Glet-schers noch weiter zu folgen in ein unglaublich blaues Höhlenlabyrinth aus Eis, das wäre schon sehr verlockend gewesen – aber die Vernunft mahnte zur Umkehr… 

Am nächsten Sonntag-Morgen stand auf dem Programm: „Noch im Dunkel der Nacht steigen wir auf das Riederhorn, um dort den anbrechenden Tag und den Sonnenaufgang zu erleben.“ Ich kann für diese Etappe nicht mitreden, da ich sie dösend im Bett verbracht habe. Die mutigen und unentwegten Rieder-hornbesteiger haben mir aber berichtet, dass man im stockdicken Nebel die eigene Hand doch noch knapp vor den Augen gesehen habe. Ein oder zwei besonders Glückliche sollen sogar ganz kurz durch ein Nebelloch das Matterhorn erblickt haben! 

Nach dem Frühstück (mit wunderbar feinem frischen Brot!) ging es – immer noch im dicken Nebel – bereits wieder Richtung Riederalp zurück. Ein Vorteil des Nebels ist, dass man eher geneigt ist, sich den kleinen, oft sehr unscheinbaren Foto-Motiven in der Nähe zuzuwenden (Gräser, Spinnennetze etc.), die alle wundervoll filigran mit Tautropfen verziert sind. Um das Programm perfekt abzurunden, löste sich der Nebel genau zur richtigen Zeit auf, so dass wir im Revier einer ganzen „Mungge“-Familie (Murmeltiere) noch ausgiebig bis in den Nachmittag hinein die längeren Brennweiten verwenden konnten. Oskar, der „Ober-Mungg“ mit seinen grossen rüebligelben Frontzähnen, und seine Untergebenen haben sich extra für uns immer wieder passend in Pose gesetzt! 

Bereichert mit wunderschönen unvergesslichen Erfahrungen, mit vielen inneren Bildern und mit vollen Speicherkarten ging es dann wieder zurück in den Alltag. 

Vor allem euch beiden – liebe Jeannette und Laudo - aber auch dir Isabella und dem ganzen Team der Villa Cassel ein ganz grosses MERCI – es war schlicht wundervoll! 

Und für alle, die nicht dabei sein konnten: es ist sehr zu wünschen, dass dieser tolle Event auch in einem anderen Jahr wieder durchgeführt wird! 

Kurt Bettler

 

Bildeindrücke