Vogelfotografie am Neuenburgersee

 

Bericht

Workshop Vogelfotografie am Neuenburgersee
Samstag 22. und Sonntag 23. April 2017, mit Hansruedi Weyrich

Bei herrlichem Sonnenschein und kühlen 4 Grad Celsius treffen wir uns um 09.45 Uhr beim Pro Natura Center Champ Pittet. Dieses befindet sich am Südufer des Neuenburgersees, inmitten der Grande Cariçaie, dem grösstem Seeuferfeuchtgebiet der Schweiz. Sie beherbergt etwa ein Viertel der Flora und Fauna des Landes. Also ein optimaler Ort, um die hier zahllos heimischen Vogelarten zu beobachten und fotografieren. Auch die diesjährigen Teilnehmer kommen in den Genuss, Teleobjektive von Nikon und Canon mit grossen Brennweiten zu testen. Diese werden uns von den Firmen Graphicart AG und Canon zur Verfügung gestellt.

Nach einer kurzen Begrüssung im offenen Pavillon führt Hansruedi Weyrich, unser Workshop-Leiter und passionierter Naturfotograf, die 8-köpfige Truppe kompetent und mit den nötigen Informationen in die Vogelfotografie ein. Wir erhalten gleichzeitig ein Merkblatt, in welchem allfällige vergessene Tipps bequem wieder nachgelesen werden können. Die Vorfreude auf das Fotografieren ist spürbar gross, es sind alle etwas „kribbelig“, weshalb die Theorie sehr kurz gehalten wird. Einige Minuten später befinden wir uns bereits auf dem Weg zum Schilfgebiet. Dort wird uns die codegesicherte Hide sowie die Plattform gezeigt. Die eine Hälfte der Gruppe richtet sich auf der Plattform ein, von wo aus die Wasservögel in einer tollen Perspektive praktisch auf Wasserhöhe fotografiert werden können. Die andere Hälfte bleibt in der Hide, wo die kühle Bise unangenehm durch die schmalen Sicht-Öffnungen zieht, dafür aber eine gute Tarnung gewährleistet.

Am Mittag werden wir im denkmalgeschützten Schloss von Champ-Pittet, Zentrum Pro Natura, mit köstlichem Couscous mit Poulet und Gemüse sowie einem feinen Dessert verwöhnt und lassen den Morgen Revue passieren: Während der eine Teil der Gruppe auf der Plattform bereits einige Bilder vor allem von Haubentauchern und deren Balztänzen schiessen konnte, blieb es bei der Gruppe in der Hide bis auf ein paar Blässhühner und Stockenten eher ruhig.

Nach dieser Stärkung positionieren wir uns erneut auf der Plattform und in der Hide und widmen uns wieder intensiv dem Fotografieren, nun bei etwas milderen Temperaturen. Am späteren Nachmittag fahren wir individuell an den nördlichen Teil des Neuenburgersees nach La Sauge. Hier befindet sich das BirdLife-Zentrum sowie die Auberge La Sauge. In Letzterer beziehen wir die freundlichen und sehr geräumigen Zimmer, bevor wir uns zum Apéro und Nachtessen treffen. Nach dem Essen brechen wir zu einem Sonnenuntergang-Spaziergang entlang des Broyekanals auf. Wir staunen nicht schlecht, als sich uns an einer Lichtung ein Wildschwein präsentiert. Für gute Fotos ist das Licht im Dickicht leider bereits zu schwach. Umso mehr erfreuen wir uns ob dem zutraulichen Biber, welcher für uns direkt am Ufer des Kanals posiert. Ein nahezu perfekter Tagesabschluss!

Früh am Sonntagmorgen geht es auf eine kleine Wanderung auf dem Damm des Broyekanals Richtung Neuenburgersee. Uns präsentiert sich eine herrliche Morgenstimmung und die Vögel scheinen um die Wette zu singen - das Leben erwacht. Wir fotografieren unter anderem fliegende Schwäne, Flussseeschwalben, Mittelmeermöwen und Rohrschwirle. Stetig richten sich unsere Augen auch auf den farbenprächtigen Sonnenaufgang, welcher die Wasseroberfläche von Minute zu Minute immer stärker in sanftes Gold zu verwandeln scheint. Nach knapp 2 Stunden sind wir hungrig zurück in der Auberge, wo wir mit einem köstlichen Frühstück verwöhnt werden.

Um 09.00 Uhr treffen wir uns am Eingang des BirdLife-Zentrums. Hier soll ein weiteres Highlight folgen: Der Eisvogel! Dieses seltene Exemplar ist vor allem für seine auffallende Färbung bekannt. Hansruedi hat exklusiv für uns eine Hide für eine Stunde reserviert, wo wir gespannt warten. Und wir müssen nicht lange ausharren: Es sind keine 10 Minuten vergangen, zeigt sich der zierliche blau/orange Vogel auf dem für Eisvogel-Fotografen wohl berühmtesten Ast der Schweiz. Es geht alles ganz schnell und schon ist er wieder weg.

Wir warten mittlerweile fast 45 Minuten, als plötzlich ein Graureiher mit einer Maus im Schnabel vor unseren Linsen landet. Wir können des Reiher’s Festmahl gespannt und mit ein wenig Mitleid für die Maus mitverfolgen. Keine 10 Minuten später erscheint erneut der Eisvogel, diesmal sogar im Doppelback (Männchen und Weibchen). Nach gefühlten 200 geschossenen Bildern verschwinden die beiden wieder in der lichten Umgebung.

Auf dem idyllisch angelegten Naturpfad im BirdLife-Zentrum können wir zudem zahlreiche Frösche und eine Ringelnatter beobachten. Die Frösche scheinen die inzwischen angenehm warmen Sonnenstrahlen sichtlich zu geniessen. Zum Teil sonnen sich bis zu 7 Stück an einzelnen Stellen an den Uferböschungen der seichten Tümpel.

Mit vielen tollen Eindrücken, Unmengen an Fotos und mit erweitertem fotographischem Knowhow geht um die Mittagszeit der offizielle Teil des 2-tätigen Workshops zu Ende.

Knapp zwei Wochen später treffen wir uns im ZB Baden zur Besprechung der Bilder. Obwohl wir alle mehr oder weniger die gleichen Motive hatten, ist die Vielfalt der Aufnahmen sehr beeindruckend. Die konstruktive Kritik von Hansruedi ist äusserst wertvoll. Nebst tollen Tricks im Photoshop präsentiert er uns auch anhand seiner über Jahre angesammelten Bilder und Erfahrungen die wichtigsten Tipps und Kameraeinstellungen bei der Vogelfotografie. An dieser Stelle gebührt unserem Kursleiter ein grosses Dankeschön für die perfekte Organisation sowie der Gruppe für die tolle Stimmung und den interessanten Austausch.

Roger Lustenberger

Bilder